SYSTEMISCHES DENKEN UND MUSIK

Was bedeutet Musik für dich? Für mich vereint Musik zugleich Grenzenlosigkeit, Stimmung, Genuss und Entspannung. Musik wird gehört, gemacht und konsumiert. Sie ist universell und vieldeutig – Sie eint die Menschen.

In ein Konzert zu gehen, bedeutet für mich, sich aktiv auf das Geschehen einzulassen. In ein Konzert gehe ich mit einer bestimmten Haltung: Werden die Erwartungen erfüllt, gar übertroffen? Was wird mir begegnen? Auch als Musikerin gehe ich mit Fragestellungen auf die Bühne: Wie gehe ich auf die Bühne und was will ich erreichen? Was wünsche ich mir?

Genau wie in der Beratung bringen die Akteur*innen Neugierde und Offenheit für neue Erfahrungen mit. Beratung und Musik sind ein aktiver Prozess, bei welchem Haltungen eine wichtige Rolle spielen. Als Beraterin bin ich die Impulsgebende und zeige mich neugierig und sehe die Dinge kontext- und systembezogen – als Ganzes. Als Beraterin stelle ich mir die Frage: „was ist heute mein Ziel?“. Hilfesuchende beschäftigt hingegen Fragen wie: „welches Anliegen habe ich?“ oder „was befürchte ich?“

Ohne Kommunikation läuft´s nicht!

In einem Konzert wird mit dem Erklingen des ersten Tones aus einzelnen Zuschauer*innen eine Gemeinschaft. Sie alle teilen den Moment. Das Konzert folgt einem bestimmten Ablauf, welcher durch die Reaktionen des Publikums beeinflusst wird. Zwischen dem Publikum und den Musiker*innen einsteht eine Kommunikation und Interaktion – es wird lauter, impulsiver, weg von dem „Ursprünglichen“, hin zur Grenzerfahrung. Als Musikerin gehe ich auf das ein, was das Publikum mir an Reaktionen zurückgibt. Einen Ablauf gibt es auch in der systemischen Beratung: Auftragsklärung – Problemschilderung – Bearbeitung des Anliegens – Abschluss. Innerhalb dessen bietet jede Äußerung in der Kommunikation Anlass für weitere Kommunikationen und diese wiederum einen Anreiz für weitere unterschiedliche Reaktionen. Diese Unterschiedlichkeiten werden beleuchtet und im systemischen Denken durch eine zirkuläre Betrachtungsweise sichtbar gemacht.       

Die Wirkung

Wofür hören wir Musik oder besuchen Konzerte? Wozu singen wir oder erlernen ein Instrument? Ich mache Musik, weil für mich bestimmte Töne, Melodien oder Akkorde (Impulse) Veränderung in mir erzeugen können, die meine Seele berühren. Ich durchdringe die tiefen meiner Seele, an die ich sonst schwer herankomme. In der systemischen Beratung haben Hilfesuchende oftmals mit einem Problem zu kämpfen, aus welchem sie aus eigener Kraft nicht herauskommen. Jedoch fehlt es ihnen teilweise an einer gewissen Aktivierung der eigenen Fähigkeiten, denn ich bin davon überzeugt, dass jede*r die eigene Lösung des Problems bereits in sich trägt. Was bringt jemand mit? In jedem Fall die Bereitschaft zur Veränderung! Ressourcenarbeit ist ein Ansatz zur Aufdeckung der eigenen Fähigkeiten. Die passenden Fragen zum passenden Zeitpunkt, kleine Inputs oder Perspektivwechsel können Gefühle oder Veränderungen im Menschen freisetzen und innere Suchprozesse anregen.

Abschließend… Am Schluss steht die Reflexion. Eine Performance wirkt bei mir als Musikerin nach. Was ist heute geschehen? Wie zufrieden bin ich mit mir und wie ist es gelaufen? Auch eine Beratung wirkt bei mir als Beraterin, aber auch bei den Klient*innen nach. Was nehme ich heute mit? Wie gehe ich aus der Sitzung raus? Was nehme ich mir bis zum nächsten Mal vor?

Und kann ich Musik direkt in der systemischen Beratung nutzen? JA! Musik kann immer dann zum Einsatz kommen, wenn Worte nicht weiterhelfen. Sie kann zur Aktivierung der eigenen Fähigkeiten genutzt werden und den Möglichkeitsraum erweitern. Verborgene Ressourcen können aufgezeigt und neu entdeckt werden. Sie kann auf unterschiedlichste Weise zum Beziehungsaufbau oder zur Klärung einer Beziehung eingesetzt werden. Menschen fühlen sich in der Musik frei und können Gefühle leichter äußern. Ob in der systemischen Beratung oder in der Musik. In jedem Fall ist danach nichts mehr so, wie es zuvor war.  

Ein Text von Teresa Grote

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