Systemsiches Denken und Kunst

Wer einmal mit mir im Museum war – weiß es!
Wer einmal eine Supervision oder eine systemische Beratung mit mir erlebt hat – weiß es!

Kunst und systemisches Denken können einen überwältigenden Gefühlssturm, einen Taumel, einen Rausch bei mir auslösen. Beide Dinge sind in meinem Leben essentiell, aber was verbindet sie?
Für mich ist der Weg ein Ziel zu erreichen in Kunst und Ultravision sehr ähnlich – absolut individuell. Es gibt kein Schema F das Ziel zu erreichen: jeder Ausgangspunkt ist unterschiedlich und jedes Ziel ist unterschiedlich. Beim systemischen Denken geht es darum, als gesetzt angenommene Zusammenhänge aufzubrechen, zu hinterfragen und aus mehreren Perspektiven zu betrachten. Dabei werden die zunächst nicht sichtbaren Beziehungen und Wechselwirkungen der Akteure deutlich gemacht. Die üblichen Denkmuster werden aufgelöst. In der Kunst gibt es kein festes Schema, keine Gesetzmäßigkeiten – losgelöst von allen üblichen Strukturen agiert die Kunst frei. Jedes Kunstwerk ist individuell, so wie jede systemische Herangehensweise individuell zugeschnitten wird. Jeder Künstler hat seinen eigenen Weg, Kunstwerke zu erschaffen und so hat jede systemische Intervention und Methode ihren eigenen Weg.
Als Künstlerin und Beraterin stelle ich ähnliche Fragen in den Raum „Was macht es mit mir?“, „Welche Auswirkungen hat es?“, „Was spricht es an?“, „Was nehme ich Bleibendes mit?“
In beiden Fällen verlässt man die gewohnten Denkweisen, die vermeintlich festen Strukturen, durchbricht das lineare Denken und … stürzt sich ins Abenteuer! Grundlage des nicht linearen Denkens ist es, sich keinem noch so abwegigen Gedanken zu verwehren. Alles wird gesammelt und auf den Nutzen überprüft.
Nun lade ich Sie zu einem Exkurs über den erweiterten Kunstbegriff von Josef Beuys ein: Zentral hierbei ist die Definition des Künstlers: „Jeder Mensch ist ein Künstler. Damit sage ich nichts über die Qualität. Ich sage nur etwas über die prinzipielle Möglichkeit, die in jedem Menschen vorliegt. (…) Das Schöpferische erkläre ich als das Künstlerische.“ (Beuys 2002)
Beuys versucht also von den klassischen Sparten der Kunst, wie Malerei, Bildhauerei, Musik, Schauspiel etc. wegzukommen und jeden Bereich, in dem schöpferisch und somit nicht linear gearbeitet wird, zur Kunst zu erklären. In diesem Sinne ist jede Beraterin und jeder systemische Coach ein Künstler. Beide arbeiten unglaublich kreativ an den passenden Lösungen für ihre Kunden/ Kundinnen. Farben sind wie die Impulse im Coaching, das Bild verändert sich dadurch, jeder Strich und jeder Schritt bringt eine Veränderung. Kunst ist erweiterbar und lange im Prozess- innerlich und äußerlich. So wie Beratung. Ich muss bereit sein, loszulassen und mich für Neues bereitmachen- es fließen lassen. Meine Kunden kann ich auch nicht in eine Richtung drängen. Wie die Farbe über das Bild fließt, fließen die Veränderungsimpulse und die gemeinsamen flowmomente im Kunden. Die Betrachtung von Kunst entspricht meiner konstruktivistischen Sichtweise: Jeder sieht das, was er sieht und jeder sieht etwas Unterschiedliches. Es gibt kein Richtig oder Falsch- wie im systemisch-kybernetischen Denken.
Für mich bieten Kunst und systemisches Denken die Öffnung und Erweiterung der eigenen Perspektive. Beide vereint das Verlassen der linear-kausalen Denkprozesse, die Findung individueller Wege und die Freude am Beschreiten derselben.
Beide lassen sich zu einem wunderbaren Cocktail vermixen und der Geschmack der jeweils anderen kommt dann noch mehr zur Geltung.
Ich lehne mich nun mit einem wunderbaren Cocktail aus einem Mix von Beratung und Kunst zurück und genieße die prickelnden und gleichermaßen herausstechenden Komponenten der beiden Zutaten und mache mich bereit für neue Gedankengänge!
Was werden Sie als nächstes mit dem systemischen Denken verknüpfen?

Leave a Reply

Diesen Blog abonnieren?